Der WORTFOLIO Blog: Mach es klein

“Mach es klein”. Das sagte meine FeldenkraisLehrerin, immer zu mir. “Und dann mach die Hälfte davon”. Es ging dabei um Bewegungen, die ich machen sollte. Nur eben nicht groß, mit Kraftanstrengung und bis an die Schmerzgrenze oder darüber hinaus. Sondern klein. Noch kleiner. Ganz wenig. Sodass ich eine Chance hatte, mitzubekommen, was eigentlich passierte, wenn ich die Bewegung ausführte. Welche Muskeln und Bändern sich wie zusammenzogen oder ausdehnten; welche Gelenke beansprucht wurden und wie. Für jemanden wie mich, der früher viel Sport gemacht hatte, war das nicht nur befremdlich, sondern auch bemerkenswert schwer umzusetzen. Aber so lehrreich.


Kleine Schritte machen, ist eigentlich immer eine ziemlich gute Idee. Schon alleine deshalb, weil eine der beliebtesten Selbstbehinderungs-Strategien darin besteht, Dinge über Gebühr groß zu machen. So groß, dass es dann gar kein Wunder mehr ist und völlig verständlich, dass es – was auch immer es ist – nicht klappt.

Wenn ich etwas für meinen  Körper tun will, nehme ich mir vor, jeden Tag mindestens 5 Kilometer zu laufen oder ich lege mir gleich ein Abo für’s Fitness-Studio zu und beschließe fest, da mindestens, also allermindestens dreimal die Woche hinzugehen. Wenn nicht öfter. Wenn ich meine Konfliktfähigkeit verbessern will, stürze ich mich kopfüber in irgendeinen seit Jahren schwelenden und ungelösten Konflikt. Mit der festen Absicht, in jetzt, genau jetzt, ein für allemal zu lösen. Eine neue Fremdsprache muss ich natürlich erst perfekt beherrschen, bevor ich mich dazu herablasse, sie auch zu benutzen. Und meinem neuerwachten kulturellem Interesse wird natürlich nur ein schweineteures Theater-Abo gerecht, das mich zwingt, ständig Stücke anzuschauen, die mich nicht interessieren. Die Liste ließe sich endlos fortsetzen.

Klingt vertraut? Klar. Menschen tun sowas. Insbesondere dann, wenn Sie etwas ändern sollen oder glauben, etwas ändern zu sollen, aber gleichzeitig Angst davor haben, es tatsächlich zu ändern. Und/oder es vielleicht ganz einfach in Wirklichkeit gar nicht ändern wollen. Statt dem aber ins Auge zu sehen, statt diesen inneren Konflikt auszutragen, vermeiden sie das Problem lieber, indem sie sich unrealistische Ziele setzen, die sie mit Sicherheit nicht erreichen werden. Um sich dann sagen zu können, dass es ja eh nichts bringt. Das ist eine passive Strategie in dem Sinne, dass die zur Verfügung stehende Energie nicht aufgewendet wird, das Problem zu lösen, sondern dafür, es zu vermeiden.


Dagegen hilft das Mach-es-klein-Mantra: Was auch immer Du vorhast – mach es klein.

Ja, natürlich, ich weiß: Ambitionierte Ziele setzen Kräfte frei; wecken Lust und Veränderungsbereitschaft. Das aber ist kein Widerspruch. Nicht die letztlichen Ziele sollen klein werden, sondern die Schritte dahin; die Zwischenziele. Das verschafft immer mal wieder kleine Erfolgsgefühle und hilft ganz nebenbei bei der Erfolgskontrolle und beim Nachsteuern. Kleine Schritte passen perfekt zur Strategie des Im-Gehen-Lernens.

Und weil es manchmal einfach gut ist, etwas klein zu machen, beherzige ich zur Abwechslung meinen eigenen Rat und mache den dieswöchentlichen Blogeintrag genau so: Klein. Und lass es beim Gesagten bewenden.

Anregung für’s Wochenende: Nehmen Sie sich etwas kleines vor. Nehmen Sie die Hälfte davon. Und freuen Sie sich darüber, es zu erreichen.

Herzlich

Ihr

Christoph Frey

© 2015 by Christoph Frey. Alle Rechte vorbehalten.

zurück zur Startseite

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*