Der WORTFOLIO-Blog: Ein radikales Führungstool

Ein Spitzen-Führungstool. Simpel zu Handhaben. Unfassbar effektiv. Jederzeit einsetzbar. Und nicht einmal aus den USA. Ein Werkzeug, das praktisch jeder kennt, das praktisch jeder auch schon einmal angewendet hat und das dennoch dann, wenn’s darauf ankommt, zumeist ein Schattendasein fristet, wenn es nicht gleich ganz in Bausch und Bogen ignoriert oder sogar verdammt wird.

Jetzt sind Sie sicher schon arg gespannt, um welches Wunderding es denn wohl gehen mag. Und ich will Sie auch gar nicht länger auf die Folter spannen. Es handelt sich um …

(Tusch)
.. die Pause.
(betretenes Schweigen)

Ja, Sie haben schon richtig gelesen. Dieser popelige kleine Zeitabschnitt, den Sie nicht damit verbringen, irgendetwas angeblich wahnsinnig sinnvolles zu tun.

Bevor Sie sich jetzt verarscht fühlen, erläutere ich lieber, warum ich so geneigt bin, Hymnen auf dieses kleine Werkzeug zu dichten:
Erstens: Weil’s wirklich, wirklich, wirklich hilfreich ist.
Und zweitens: Weil’s viel zu selten genutzt wird.

Alle Welt will immer ganz tolle Tools, Modelle, Hilfsmittel. Vorzugsweise mit englischem Namen und anschaulichen grafischen Erläuterungen. Die sind ja auch gut.
Die Pause indes ist da ganz anders: Unscheinbar. Außerdem kennt sie jeder. Und jeder wendet sie auch an. Gelegentlich jedenfalls und fast immer viel zu selten. Und dann auch noch häufig genug falsch.
Das ist ja das Tragische: Die Pause ist etwas wundervoll Wirksames. Sie hilft, Teambesprechungen, die sich im Kreise drehen, wieder zurückzuverwandeln in einen Austausch professioneller Geister. Feststeckende Verhandlungen werden neu belebt, Mitarbeitergespräche bekommen neue Dynamik, Konflikte erscheinen mit ihrer Hilfe plötzlich weniger dramatisch.
Aber nur, wenn man sie auch einsetzt. Und zwar wirklich. Wenn man nicht nur so tut als setzte man sie ein. Und wenn man sie richtig einsetzt. Und häufig.


Ein paar Faustregeln:

  • Nach eineinhalb Stunden Arbeit / Diskussion ist eine Pause fällig.
  • Aktive Pausen mit Bewegung sind besser als Pausen ohne Bewegung.
  • Wer in einer Pause ein Diskussion fortsetzt, macht keine Pause.
  • Pausen vor dem Bildschirm sind ebenfalls keine Pausen.
  • Wenn’s kritisch oder hitzig wird, wenn sich die Diskussion beginnt im Kreis zu drehen, gilt: Pause machen, egal wie viel Zeit bisher vergangen ist. Denkpausen haben die wundervolle Eigenschaft, Gemüter zu beruhigen und Perspektiven zurecht zu rücken. Nicht immer, aber doch zumindest potentiell.
  • Dasselbe gilt, wenn Kreativität gefragt ist, Ideen sich aber nicht recht einstellen wollen: Pause machen, bewegen, nicht an das Problem denken.

Ja, ich weiß, das wissen Sie alles längst. Aber warum erleben wir es dann so häufig, dass wider allem besseren Wissens eben doch keine Pausen gemacht werden? Oder keine richtigen? Warum gibt es immer noch Unternehmenskulturen, in denen Pausen verpönt sind? Warum werden Verhandlungspartner, die sich mit einem “Verhandlungsmarathon” brüsten oder damit, dass der “entscheidende Durchbruch” morgens um 4 Uhr erzielt wurde, bewundert? Recht eigentlich sollte man solche Leute auslachen.

An und für sich reicht es schon, gesunden Menschenverstand walten zu lassen: Häufig Pausen machen und ein bissl bewegen. Wer’s gerne etwas genauer haben will, findet in diesen beiden Broschüren von Siemens und vom Institut für Arbeit und Gesundheit der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung weitere Anregungen.

Anregung für’s Wochenende: Na was wohl? Pause machen … Nächste Woche geht’s hier im Blog dann wieder um etwas glamourösere Ideen und Modelle.Versprochen.

Herzlich

Ihr

Christoph Frey

© 2015 by Christoph Frey. Alle Rechte vorbehalten.

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