Der WORTFOLIO-Blog: Kleine Begriffskunde zu Trainings und Co

Alles ist irgendwie Training. Das ist unpräzise und verdrießlich. Verdrießlich vor allem deshalb, weil es zu Erwartungen einlädt, die dann häufig nicht erfüllt werden können. Deshalb an dieser Stelle eine kleine Klarstellung dazu, was wir meinen, wenn wir von Trainings und Workshops, Entwicklungsprogrammen, Seminaren, Schulungen und Gruppencoachings sprechen.


Seminar

Bei Seminaren handelt es sich üblicherweise um Veranstaltungen mit einem starken Informationsvermittlungsaspekt bezüglich theoretischer Ansätze und Modelle. Die Vermittlung der Information anhand unterschiedlicher Präsentationsmethoden steht im Vordergrund. Interaktive Elemente dienen der Vertiefung des Verständnisses der vermittelten Information.

Da wir in unserer Arbeit nur sehr selten schiere Informationsveranstaltungen bezüglich theoretischer Modelle durchführen, verwenden wir bei WORTFOLIO den Begriff jedoch vorrangig als Überbegriff für alle Gruppenveranstaltungen, die wir anbieten: Also Trainings, Module von Entwicklungsprogrammen, Workshops, Schulungen und Gruppencoachnings.

Training

In Trainings bearbeiten wir herausfordernde Situation praktisch, d.h. wir stellen sie – z.B. im Rollenspiel – nach und versuchen uns an Lösungen. Natürlich gehört dazu fast immer auch Theorie. Und selbstverständlich wird dabei auch diskutiert, aber im Vordergrund steht das praktische Ausprobieren und Einüben.

Trainingsmodule in Entwicklungsprogrammen

Entwicklungsprogramme fokussieren vorrangig auf persönliche Weiterentwicklung und sind typischerweise modular aufgebaut, d.h. eine feste Gruppe kommt für eine bestimmte Anzahl an Terminen zusammen und bearbeitet in diesem Rahmen typische Herausforderungen. Gleichzeitig ist in diesen Fällen die Arbeit an und die Weiterentwicklung der eigenen Gruppendynamik fester Bestandteil, weil dabei viele Themen, die im Rahmen des Programms adressiert werden sollen, unmittelbar bearbeitet werden können.

Im Vorgehen geht es darum, Teilnehmerinnen und Teilnehmer durch Diskussion, Reflexion, Übungen/Rollenspiele mit starkem Selbsterfahrungsanteil und gegenseitige Beratung anhand unterschiedlicher Methoden anzuregen. Input zu theoretischen Ansätzen und Modellen wird typischerweise dazu genutzt, um eine gemeinsame Sprache für und einen gemeinsamen Blick auf die Sachverhalte, um die es geht, zu etablieren.

Ziel ist es letztlich, den Horizont möglicher Sicht- und Vorgehensweisen bezüglich des jeweiligen Themas weit zu öffnen. Zentral ist dabei, dass es den Teilnehmern selbst überlassen wird, davon ausgehend in der Folgezeit ihren ganz eigenen Weg zu suchen und zu finden.

Workshop

In einem Workshop geht es darum, gemeinsam etwas zu erarbeiten. Dabei kann es sich um Regeln des Miteinanders im Team, um eine Konfliktlösung oder auch um eine Prioritätenliste für die nächsten Monate handeln. Möglichen Themen sind kaum Grenzen gesetzt. Sie können entweder gesetzt oder im Workshop erst definiert werden. Zentral ist dabei, dass ein Workshop ergebnisoffen ist. Auch hier ist Theorie-Input häufig hilfreich, steht aber keinesfalls im Vordergrund und wird eher ad hoc eingesetzt.

Teamentwicklungsworkshops fokussieren demgegenüber mehr auf die Arbeit an und die Weiterentwicklung der Dynamik des Teams. Das kann die Arbeit an verbindlichen Gruppenregeln ebenso mit einschließen wie die Lösung eines Konflikts in der Gruppe, weist aber im Sinne des Begriffs Weiterentwicklung typischerweise über das aktuelle Thema hinaus. Dabei können (wie in Entwicklungsprogrammen auch) erlebnisorientierte Methoden zum Einsatz kommen, müssen aber nicht.

Schulung

In Schulungen wird der Umgang mit irgendeiner Art von Tool oder Prozess erläutert. In einer Schulung wird zumeist eine ganze Menge Theorie vermittelt, sie kann aber sehr wohl auch Trainings- und Workshopelemente beinhalten.

Gruppencoaching

Gruppencoachings übertragen das Vorgehen in Einzelcoachings auf die Gruppensituation.  Das macht die Abgrenzung zum Workshop schwierig. Am ehesten lässt es sich vielleicht so beschreiben, dass Gruppencoachings eine aktuelle und als problematisch empfundene Herausforderungen der gesamten Gruppe fokussieren, für die die üblichen Lösungsmethoden nicht ausreichen oder die sich über einen längeren Zeitraum hinziehen.

Die Gruppe soll dabei unterstützt werden, diese Herausforderung zu meistern, mit der klaren Maßgabe, dass sie ihre eigene Lösung findet. Der Coach unterstützt dabei lediglich mit Hilfe typischer Coachingtechniken.


Freilich haben wir’s in der Praxis fast immer mit Mischformen zu tun: Getreu dem Lewinschen Diktum, dass es nichts praktischeres gebe als eine gute Theorie, finden sich Theorieeinheiten üblicherweise in allen Veranstaltungsformen. Allein schon, um eine gemeinsame Sprache, eine gemeinsame Weise, die Welt und die Dinge zu betrachten, zu etablieren.

Theorieinput hat – egal in welchem Kontext – immer auch Schulungscharakter und Workshopanteile sollten weder in Schulungen noch in Trainings und schon gleich gar nicht in Entwicklungsprogrammen fehlen. Dennoch scheint es mir sinnvoll, die beschriebenen Unterscheidung bei aller Unschärfe, die die Praxis mit sich bringt, aufrecht zu erhalten und sogar zu betonen: Weil auf diese Weise nicht nur deutlich wird, um was es in einer gegebenen Veranstaltung geht, sondern auch, was von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern erwartet wird.

Herzlich

Ihr

Christoph Frey

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