Bürgerversammlung zur sog. Lunette 38 der ehemaligen Landauer Festung am 17. Juli 2014

Ausgangslage / Hintergrund

Im Zuge von Bauarbeiten zur Landesgartenschau in Landau/Pfalz kamen im Sommer 2014 Überreste der ansonsten wenig erhaltenen ehemaligen Festung Landau zum Vorschein. Der sehr aktive Festungsbauverein Landau setzte sich nachdrücklich dafür ein, diese Überreste nicht nur archäologisch zu untersuchen, sondern dauerhaft der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Dem standen jedoch die Baupläne des Investors, der das fragliche Gelände erworben hatte und es überbauen wollte, entgegen. Die Presse berichtete darüber vergleichsweise intensiv und durchaus mit kritischen Tönen hinsichtlich der Rolle der Stadtverwaltung.

Eine umfassende Darstellung der Sachlage aus der Sicht des Festungsbauvereins finden Sie hier.

Mit Planung / Konzeption und Durchführung der Veranstaltung wurde Christoph Frey beauftragt, der sich als Organisationsberater einerseits und Mitglied der Gesellschaft für Archäologie in Bayern andererseits in dieser Sache durchaus zwiegespalten fühlte.


Vorgehen

Da das Gelände rechtskräftig an einen Investor verkauft war, bestanden von Anfang an für die Stadtverwaltung wenig Handlungsmöglichkeiten. Insbesondere war angesichts der bereits genehmigten Baupläne an eine dauerhafte Zugänglichmachung der Überreste für die Öffentlichkeit ohne Änderung der Baupläne nicht zu denken. Eine solche wurde indes von archäologischer Seite ohnehin kritisch gesehen.

Von daher schien es notwendig, zum einen den Sachstand sowohl aus (bau-)rechtlicher als auch aus städteplanerischer Sicht Sicht ausführlich darzustellen; zum anderen sollten die Experten von der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz, die mit der Sicherung und Auswertung der Funde beauftragt waren, zu Wort kommen. Und schließlich sollte auch der Festungsbauverein, der sich große Verdienste um den Erhalt der Festungsreste erworben hatte (und hat), seine Sicht der Dinge zu Gehör bringen und zur Diskussion stellen können.

Um die Veranstaltung nicht in einem unbefriedigenden Gegensatz der Meinungen bzw. enttäuschten Hoffnungen enden zu lassen, sollten nach der Diskussion über den aktuellen Status Quo zukunftsgerichtet Möglichkeiten ventiliert werden, wie die Stadt mit dem kulturell bedeutsamen Erbe der ehemaligen Festung umgehen könnte.

Ziele der Veranstaltung

  • Durch umfassende Information eine einheitliche Diskussionsgrundlage schaffen.
  • Die verschiedenen legitimen Perspektiven beleuchten.
  • Ein konstruktives Ergebnis erzielen, das geeignet ist, der Stadt in ihrer Entwicklung weiterzuhelfen.

Vorgespräche mit allen Beteiligten stellten Übereinstimmung bezüglich des Vorgehens und der Ziele der Veranstaltung sicher.

Geplanter Ablauf der Veranstaltung:

  1. Begrüßung durch den OB, Hr. Hans-Dieter Schlimmer
  2. Vorstellung der Podiumsteilnehmer, Erläuterungen zum Ablauf , Vereinbarungen bezüglich Regeln
  3. Stellungnahmen der Podiumsteilnehmer:
    OB Hans-Dieter Schlimmer (Perspektive Stadtrat)
    Hr. Christoph Kamplade (Leiter Stadtbauamt; Perspektive Verwaltung)
    Hr. Thomas Metz / Hr. Dr. Ulrich Himmelmann (GDKE Rheinland-Pfalz; Perspektive Denkmalfachbehörde)
  4. Stellungsnahme des Festungsbauvereins, vertreten durch Hr. Peter Weiler / Fr. Helene Goose
  5. Diskussion
  6. Anregungen
  7. Verabschiedung durch den OB

Ergebnisse

Wie angesichts der Presseberichterstattung im Vorfeld zu erwarten gewesen war, erfreute sich die Veranstaltung reger und engagierter Teilnahme. Trotz der vielfach kritischen und durchaus auch leidenschaftlichen Beiträge gelang es, durch eine klare, wertschätzende und unvoreingenommene Moderation eine konstruktive Atmosphäre zu schaffen und aufrecht zu erhalten. Zum Ende wurde zudem eine Liste von Anregungen und denkbaren Maßnahmen bezüglich des künftigen Umgangs der Stadt mit ihrem Festungserbe erstellt und dem Leiter des Stadtbauamts übergeben.

Eine Darstellung der Bürgerversammlung aus der Sicht des Festungsbauvereins finden Sie hier.

Die nachfolgende Presseberichterstattung wie auch Stellungsnahmen und Initiativen des Festungsbauvereins im Nachgang der Veranstaltung (z.B. hier) zeigen freilich auch die Grenzen von Bürgerversammlungen auf: Sie lösen Themen nicht auf, sondern machen Interessengegensätze zunächst einmal überhaupt sichtbar. Damit freilich ist die Voraussetzung gegeben, sie auch verhandelbar zu machen (zumindest dann, wenn es wie hier gelingt, die Gegensätze in einer Atmosphäre weitgehender Akzeptanz für die Position des Gegenüber zu erörtern). Die Überwindung der Gegensätze erfordert dann – entsprechende Bedeutung vorausgesetzt – ein geregelten Prozess des Konfliktmanagements.


Weiterführende Information

Wenn Sie mehr über das Projekt aus Auftraggeber- bzw. Podiumsteilnehmersicht erfahren wollen, können Sie sich an folgende Personen wenden:

  • Hr. Christoph Kamplade (Leiter Bauamt der Stadtverwaltung Landau in der Pfalz; Auftraggeber):
    Christoph.Kamplade (at) landau.de
  • Hr. Thomas Metz (Generaldirektor Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz; Podiumsteilnehmer):
    thomas.metz (at) gdke-rlp.de