Aktuelles bei WORTFOLIO: Nachlese der WORTFOLIO Jahrestagung 2015

Vor etwas mehr als einem Monat schrieb ich an dieser Stelle als Rezept für die damals noch bevorstehende WORTFOLIO Jahrestagung 2015: “Versammle Menschen, die Du magst und gut findest, an einem Ort und gib ihnen die Vorgabe, irgendetwas zu erzählen, das sie gerade spannend finden. Erstelle eine nachvollziehbare Agenda dafür. Sorge für einen schönen Rahmen, gutes Essen. Und das war’s. Alles andere ergibt sich.”

Stellt sich heraus: Das stimmt. Sogar mehr als gedacht. Denn besagte Menschen brauchen gar keine nachvollziehbare Agenda. Sie brauchen auch keinen langen Einstieg, um arbeitsfähig zu werden. Die sind gut, die legen einfach los und organisieren sich ganz entspannt selbst. So wie sie’s brauchen. Meine Arbeit als Ins-Leben-Rufer ist getan, ich muss nicht auch noch moderieren, strukturieren; kann mich entspannt zurücklehnen, ganz einfach teilnehmen und mich in die Themenbeiträge vertiefen:

Armin Moewes präsentierte zum Einstieg Überlegungen, die auf Frédéric Laloux zurückgehen und die Evolution von Organisationsformen anhand ihrer zentralen Charakteristika und zentralen Ideen beschreiben. Um One-Word-Equity oder Ein-Wort-Kapital ging es bei Axel Ebert (Identitäter), also um das eine Wort, das ein Unternehmen, dessen Sein und Wollen auf den Punkt bringt. Christin Nierlich beschäftigte sich mit Immunity to Change, also mit der Frage, wie Menschen und Organisationen sich mit Hilfe ihrer Überzeugungen gegen Veränderung immunisieren bzw. was man dagegen tun kann. Wir hörten von einem evolutionären Organisationsentwicklungsprojekt, das Klaus Dehner und Kollegen begleitet haben, und von Rolf Leibbrand lernten wir etwas über die Bedeutung innerer Bilder für die psychotherapeutische Praxis.

Hätten wir dann noch Zeit gehabt, wäre es zum Schluss noch um ein Thema gegangen, das mir persönlich sehr am Herzen liegt: Die Frage, wie aus – um den Titel einer zu Recht berühmt gewordenen Studie von Christopher Browning zu zitieren – „ganz normalen Männern”, die sich in nichts vom Rest der Gesellschaft unterscheiden, Massenmörder werden können. Und was wir daraus lernen können über menschliche Wandlungs- und Anpassungsfähigkeit.

Das alles fand statt ohne feste Vorgabe, der eigenen Energie folgend und – wenn allen danach war – auch mal im Freien und stehend. Lebhafte Diskussionen, die auch gelegentlich in ganz andere Richtungen führen, intensive Gespräche beim Mittagessen und in den Kaffeepausen sowie eine Menge Spaß und Lachen inbegriffen. Und natürlich auch gutes Essen und guten Wein zum Ausklang.

Inspirierend war das und anregend, Einsichten fördernd und Horizont erweiternd – und so ging es ganz offensichtlich allen, die dabei waren. So hatte ich mir das vorgestellt. Nein. So hatte ich es erhofft. Und ich denke, hoffe, wünsche, dass wir das im nächsten Jahr auch wieder hinkriegen. Mit denselben Leuten und anderen, die dieses Mal nicht konnten. Vielleicht wird auf diese Weise aus der WORTFOLIO Tagung eine Institution, ein jährliches Ereignis mit einem festen Platz im persönlichen Kalender, auf das man sich freut, bei dem man dabei sein will, von dem man anderen erzählt.

So gehört Tagung …

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*