Aktuelles bei WORTFOLIO: Ehrenamtliche Supervision für Flüchtlingshelfer

Letzte Woche beschrieb ich an dieser Stelle, wie wir von WORTFOLIO unentgeltlich das Landauer Sozialamt mit einem eintägigen Workshop unterstützten. Dieses Engagement war Ergebnis von Überlegungen zur Verantwortung, die auch wir Beraterinnen und Berater m.E. im Kontext der Flüchtlingsthematik haben.

Doch unser Engagement in der Flüchtlingshilfe soll nicht auf eine einmalige Aktion beschränkt bleiben. Da trifft es sich gut, dass sich auf Initiative von Florian Winhart kürzlich eine weitere Möglichkeit ergab .

Aus Gesprächen mit der Integrationsbeauftragten der Stadt Landau, Frau Schwahn, sowie mit  Frau Kopkow-Miller vom Kreis Südliche WeinstraßeFrau Weiss-Melber vom Netzwerk Familienbildung hatte sich die Vermutung ergeben, dass es Bedarf an professioneller Unterstützung gibt für die vielen Menschen, die sich in Landau und im Kreis Südliche Weinstraße ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe engagieren.

Die Herausforderungen für die ehrenamtlich Tätigen sind schließlich vielfältig: Auf der sachlich-fachlichen, auf der zwischenmenschlichen, auf der kulturellen, auf der Prozess- und nicht zuletzt auf der persönlich-emotionalen Ebene. Das ist schon für Menschen, die sich hauptamtlich mit der Flüchtlingsarbeit beschäftigen, belastend und nicht selten auch überfordernd. Viele Ehrenamtliche übernehmen diese Aufgaben jedoch in ihrer Freizeit, neben ihrer Erwerbstätigkeit. Gleichzeitig ist die Arbeit, die die Ehrenamtlichen in diesem Bereich leisten, nicht nur ungeheuer wertvoll für die Flüchtigen selbst, sondern auch für Bund, Länder und Kommunen praktisch unverzichtbar, da ohne sie die hohen Zahlen an Menschen, die bei uns Schutz vor Krieg, Vertreibung und Unterdrückung suchen, kaum zu bewältigen wären.

Es lag daher nahe, Unterstützungsangebote zu machen – sei es in Form von Supervision für Ehrenamtlichengruppen, Workshops zur Stressbewältigung, Konfliktmediation oder Einzelunterstützung in Form von Coaching etc. Florian, ich selbst sowie die Kollegin Hildegard Strothjohann erklärten sich vor diesem Hintergrund bereit, bei Bedarf unentgeltlich tätig zu werden.


Am 29. Juni hatten wir dann auf Einladung von Frau Weiss-Melber die Gelegenheit, am regelmäßig stattfindenden Treffpunkt für Ehrenamtliche in der Flüchtlingsarbeit aus Landau und dem Landkreis Südliche Weinstraße teilzunehmen. Wir wollten zum einen erfahren, welche konkreten Bedarfe es bei den Ehrenamtlichen in Hinblick auf Supervision/Coaching tatsächlich gibt. Zum anderen wollten wir Begriffe klären (Supervision? Coaching?) und uns unsere Ideen und Vorstellungen erläutern.

Die rege Diskussion und die vielen Nachfragen zeigten, dass Bedarf tatsächlich besteht. Ein zentrales Problem in der Flüchtlingsarbeit scheint darin zu bestehen, dass die Ehren- und Hauptamtliche nur wenig vernetzt sind, und wenn dann nur lose, nicht auf der Basis verbindlicher Plattformen und Prozesse. Vieles geschieht offenbar nebeneinander her, woraus sich nicht nur viele Missverständnisse und Parallelaktivitäten ergeben, sondern – was nur menschlich ist – auch Reibereien und Konflikte. Dazu kommt, dass die Ehrenamtlichen dadurch häufig mit persönlicher Belastung und manchmal auch Überforderung alleine bleiben.

Hier können Supervision, Coaching, Workshops oder Konfliktmediation dabei helfen, unmittelbare Probleme anzugehen.

Mittelfristig wäre jedoch zu überlegen, einen festen Kreis von professionellen Unterstützerinnen und Unterstützern ins Leben zu rufen. Dieser würde zum einen bereit stehen, um bei Bedarf auf Zuruf tätig zu werden; zum anderen könnten auf diese Weise jedoch auch, Plattformen geschaffen werden für den strukturierten Austausch der Ehren- und Hauptamtlichen untereinander und für die systematische Weiterentwicklung und Professionalisierung der ehrenamtlichen Flüchtlingsarbeit.

Für’s erste werden wir freilich sehen müssen, wer schlussendlich unsere Unterstützung in Anspruch nimmt und welche Erfahrungen wir dabei machen.


Ich  freue mich jedenfalls darauf, einen kleinen Beitrag dafür leisten zu können, dass Ehrenamtliche in Landau und in der Südpfalz ihre so wichtige Arbeit erfolgreich weiterführen können.

Herzlich
Ihr
Christoph Frey

© 2016 by Christoph Frey. Alle Rechte vorbehalten.

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